NEWS 4/2026 Vitaminpräparate: Nutzen und Risiken

Vitaminpräparate: Nutzen und Risiken

Hintergrund

Vitaminpräparate sind für viele Menschen fester Bestandteil des Alltags. Sie werden eingenommen, um das Immunsystem zu stärken, Müdigkeit vorzubeugen oder die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Besonders in Phasen hoher beruflicher Belastung oder während der Erkältungssaison greifen viele Beschäftigte zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Dabei entsteht häufig der Eindruck, dass Vitamine grundsätzlich gesund und frei von Risiken seien. Staatliche Gesundheitsinstitutionen in Deutschland bewerten diese Annahme jedoch deutlich differenzierter und weisen auf mögliche gesundheitliche Gefahren hin.

Empfehlung: ärztliche Beratung!

Fünf Vitaminfläschchen mit den Vitaminen A, D, C, E und B12 sowie Tabletten und Kapseln auf einem Holztisch

Einschätzung

Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist die Vitaminversorgung der Bevölkerung in Deutschland bei ausgewogener Ernährung in der Regel ausreichend [1].

Ein genereller gesundheitlicher Nutzen durch die zusätzliche Einnahme von Vitaminpräparaten konnte für gesunde Erwachsene bislang nicht nachgewiesen werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bestätigt, dass der tägliche Bedarf an Vitaminen durch eine abwechslungsreiche Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Milchprodukten gedeckt werden kann [2].

Dosierung

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Dosierung. Das BfR warnt ausdrücklich vor hochdosierten Vitaminpräparaten, da diese mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können [1].

Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K werden im Körper gespeichert. Eine langfristige Überdosierung kann zu Leberfunktionsstörungen, Nervenschäden oder Störungen des Knochenstoffwechsels führen.

Aber auch wasserlösliche Vitamine sind nicht unproblematisch: Eine übermäßige Zufuhr von Vitamin B6 kann nach Angaben des BfR Nervenschädigungen verursachen.

sSeit den 90er Jahren wurden unter bestimmten Konstellationen große randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudien durchgeführt. (der höchste Studienstandard – Goldstandard – Teilnehmende werden per Zufall in Gruppen eingeteilt; es gibt mindestens zwei Gruppen, die verglichen werden, wobei eine Gruppe die Behandlung und die andere Gruppe ein Placebo oder eine bereits etablierter Standardtherapie erhält; weder die Teilnehmenden der Studien noch das betreuende Personal oder die Ärzte wissen, wer in welcher Gruppe ist)
Es wurden gar kanzerogene Eigenschaften (krebserzeugende bzw. krebsfördernde Wirkung) durch die Einnahme von hochdosierten Vitaminpräparaten beschrieben.
Zum Beispiel zeigten Studien teilnehmende Raucher, die hochdosiertes Beta-Carotin (eine pflanzliche Vorstufe – Provitamin A – von Vitamin A) einnahmen, ein um 18 bis 28 Prozent höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken [3].

Nebenwirkungen

Für den Alltag relevant ist , dass Nebenwirkungen wie

    • Kopfschmerzen,
    • Magen-Darm-Beschwerden oder
    • Konzentrationsstörungen

auftreten können.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist darauf hin, dass solche Effekte die Leistungsfähigkeit im Beruf beeinträchtigen können [3].

Gleichzeitig betont sie, dass Vitaminpräparate nur bei nachgewiesenem Mangel oder in besonderen Lebenssituationen – etwa Schwangerschaft oder bestimmten Erkrankungen – sinnvoll sein können und ärztlich begleitet werden sollten [5].

VORSICHT

Eine pauschale Einnahme von Vitaminpräparaten ohne medizinische Indikation ist nicht empfehlenswert.

Schlussfolgerungen

Vitaminpräparate sind keine harmlose Alltagslösung und kein Ersatz für gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen. Eine pauschale Einnahme ohne medizinische Indikation ist nicht empfehlenswert.

Nachhaltige Gesundheitsförderung basiert auf ausgewogener Ernährung, Bewegung und einer gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung. Vitaminpräparate sollten nur gezielt, zeitlich begrenzt und nach fachlicher Beratung eingesetzt werden.

 

Quellen
[1] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine
[2] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
[3] Https://doi.org/10.1093/ajcn/85.1.314S
[4] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Vitamine und Mineralstoffe
[5] Deutsche Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM): Betriebliche Gesundheitsförderung